Drückt Abwasser aus dem Kanal zurück, soll eine Rückstauklappe den Keller trocken halten. Das klappt allerdings nur, wenn das Bauteil zur jeweiligen Situation passt und lagerichtig eingebaut ist. Andernfalls drückt das Wasser im Ernstfall trotzdem aus Bodenablauf oder WC in den Keller. In diesem Ratgeber erfahren Sie, unter welchen Bedingungen eine Rückstauklappe nach DIN EN 13564 und DIN 1986-100 überhaupt zulässig ist, weshalb sie ohne ausdrückliche Herstellerfreigabe nicht senkrecht eingebaut werden darf und welche Prüfungen nach dem Einbau anstehen.
Rückstau und Rückstauebene: Wogegen die Klappe eigentlich schützt
Wenn es stark regnet oder der öffentliche Kanal verstopft ist, findet das Abwasser keinen Weg mehr nach draußen. Es staut sich zurück, zunächst im Kanal selbst und anschließend in der Anschlussleitung, die zu Ihrem Haus führt. In sämtlichen miteinander verbundenen Leitungen stellt sich dabei derselbe Wasserstand ein. Jeder Ablauf, der unterhalb dieses Wasserspiegels liegt, wird so zu einer möglichen Austrittsstelle. Betroffen sind etwa der Bodenablauf in der Waschküche oder ein WC im Untergeschoss.
Die entscheidende Höhe bezeichnet man als Rückstauebene. Gemeint ist damit die höchste Ebene, bis zu der das Abwasser innerhalb der Entwässerungsanlage steigen kann. Sofern die örtliche Abwassersatzung nichts Abweichendes vorgibt, gilt hierfür in der Regel die Straßenoberkante an jener Stelle, an der Ihr Grundstück an den Kanal angeschlossen ist. Einige Satzungen legen allerdings einen anderen Bezugspunkt fest. Vor der Planung lohnt sich deshalb ein Blick in die Satzung Ihrer Gemeinde oder ein kurzer Anruf beim zuständigen Abwasserbetrieb.
Hanglage: Wenn das Gebäude tiefer liegt als die Straße
In Staufenberg und den Nachbarorten zwischen Kassel und Göttingen sind Häuser am Hang keine Seltenheit, und das wirkt sich unmittelbar auf den Rückstauschutz aus. Befindet sich das Grundstück unterhalb der Straße, kann neben dem Keller durchaus auch das Erdgeschoss unter der Rückstauebene liegen. Andersherum kann bei einem Haus oberhalb der Straße ein Keller vorhanden sein, dessen Abläufe vollständig oder teilweise über der Rückstauebene liegen. Maßgeblich ist allein das Höhenverhältnis zwischen der Ablaufstelle und der Straßenoberkante am Anschlusspunkt.
Weshalb der Eigentümer selbst für den Schutz zuständig ist
Öffentliche Kanäle sind nicht für jeden erdenklichen Starkregen ausgelegt, ein gelegentlicher Überstau wird bei der Planung bewusst in Kauf genommen. Viele kommunale Abwassersatzungen nehmen daher die Grundstückseigentümer in die Pflicht, ihre Gebäude eigenständig gegen Rückstau zu sichern. Nicht selten schließen sie eine Haftung der Gemeinde für Rückstauschäden aus, wenn ein solcher Schutz fehlt oder nicht funktioniert. Auch Versicherer können nach einem Wasserschaden im Keller fragen, ob eine geeignete und gewartete Rückstausicherung vorhanden war. Ein fehlender oder falsch eingebauter Rückstauverschluss kann Sie damit gewissermaßen doppelt teuer zu stehen kommen.
Die Regelwerke: Welche Norm wofür zuständig ist
Im Zusammenhang mit der Rückstauklappe begegnen Ihnen gleich mehrere Normen, die leicht verwechselt werden. Tatsächlich greifen sie ineinander: Eine Norm beschreibt das Produkt, andere befassen sich mit der Planung innerhalb des Gebäudes, eine weitere mit der Entwässerung außerhalb. Wer diese Aufgabenteilung kennt, versteht schneller, weshalb ein normgerechtes Produkt allein noch lange keinen normgerechten Rückstauschutz bedeutet.
DIN EN 13564-1: das Produkt selbst
Bei der DIN EN 13564-1 handelt es sich um eine Produktnorm. Sie definiert Anforderungen an Rückstauverschlüsse für Gebäude und unterscheidet dabei mehrere Typen. Diese ergeben sich daraus, wie viele selbsttätige Verschlüsse vorhanden sind, ob ein Notverschluss existiert, ob der Verschluss elektrisch betrieben wird und ob er in einer Leitung oder in einem Bodenablauf sitzt. Weitere Teile der Normreihe widmen sich Prüfverfahren und Qualitätssicherung. Die Norm beschreibt also, was ein Rückstauverschluss eines bestimmten Typs leisten muss; ob er in Ihrem Keller zulässig ist, bleibt dagegen offen.
DIN EN 12056 und DIN 1986-100: die Planung innerhalb des Gebäudes
Die DIN EN 12056 befasst sich mit Schwerkraftentwässerungsanlagen in Gebäuden, ihr Teil 4 speziell mit Abwasserhebeanlagen. Da die europäische Norm gewisse Spielräume offenlässt, werden die Planungsregeln in Deutschland durch die DIN 1986-100 ergänzt. Diese bestimmt, wann Abwasser unterhalb der Rückstauebene über eine Hebeanlage abzuführen ist, wann ein Rückstauverschluss ausreicht und welcher Typ für welche Abwasserart verwendet werden darf. Wenn es also darum geht, ob in Ihrem Keller eine Rückstauklappe eingebaut werden darf, ist die DIN 1986-100 die maßgebliche Grundlage.
DIN EN 752: das Netz jenseits des Gebäudes
Die DIN EN 752 regelt Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden, also vom Grundstück bis hin zum öffentlichen Kanalnetz. Sie macht verständlich, warum Rückstau ein dauerhaftes Thema bleibt: Kanalnetze werden für bestimmte Regenhäufigkeiten dimensioniert, nicht für jedes Extremereignis. Vor allem dort, wo Schmutz- und Regenwasser gemeinsam in einem Mischkanal abgeleitet werden, steigt der Wasserspiegel bei heftigen Gewittern rasch an. Für Sie als Hauseigentümer bedeutet das: Rückstau ist ein planmäßig einkalkulierter Lastfall, gegen den Ihr Gebäude geschützt sein muss.
Ergänzend: Verlegung, Prüfung und Betrieb
Spätestens beim Einbau kommen zwei weitere Regelwerke ins Spiel. Die DIN EN 1610 beschreibt, wie Abwasserleitungen und -kanäle verlegt und geprüft werden, einschließlich der Dichtheitsprüfung neu errichteter Leitungsabschnitte. Die DIN 1986-3 wiederum enthält Regeln für Betrieb und Wartung von Entwässerungsanlagen; die daraus folgenden Intervalle finden Sie im Abschnitt zur Wartung weiter unten.
Einbauvoraussetzungen: Unter welchen Bedingungen eine Rückstauklappe zulässig ist
Viele Hausbesitzer betrachten die Rückstauklappe als den üblichen Schutz, die DIN 1986-100 sieht das jedoch anders. Ihrem Grundsatz zufolge ist Abwasser aus Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene über eine Abwasserhebeanlage abzuführen, deren Druckleitung in einer Schleife über die Rückstauebene geführt wird. Diese Rückstauschleife verhindert, dass Wasser aus dem Kanal zurückfließt, und die Hebeanlage entwässert zudem auch dann weiter, wenn der Kanal voll ist. Der Rückstauverschluss bildet demgegenüber die Ausnahme und ist nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt.
Bei fäkalienfreiem Abwasser, beispielsweise aus Waschmaschine, Dusche oder Bodenablauf, darf nach DIN 1986-100 anstelle einer Hebeanlage ein Rückstauverschluss verwendet werden, sofern sämtliche der folgenden Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sind:
- Zwischen Ablaufstelle und Kanal besteht ein natürliches Gefälle.
- Die betroffenen Räume werden nur untergeordnet genutzt: Es lagern dort keine nennenswerten Sachwerte, und eine Überflutung bringt die Gesundheit der Bewohner nicht in Gefahr.
- Solange ein Rückstau anhält, kann auf die Nutzung der Ablaufstellen verzichtet werden.
- Der Rückstauverschluss gehört zu einem für diese Abwasserart zugelassenen Typ und bleibt für Kontrolle und Wartung erreichbar.
Was unter untergeordneter Nutzung zu verstehen ist, muss im Einzelfall geklärt werden. Klassische Beispiele wären eine Waschküche mit Bodenablauf oder ein Vorratskeller. Ein ausgebauter Keller mit Gästezimmer oder eine vermietete Einliegerwohnung im Souterrain fallen dagegen nicht darunter, denn dort lagern Werte, und dort halten sich Menschen zum Wohnen oder Arbeiten auf. Wer in solchen Räumen über mehrere Stunden auf die Abläufe verzichten müsste, steht vor einem echten Problem, weshalb eine Hebeanlage dann praktisch unvermeidlich ist. Bei Kellerausbauten wird das leicht übersehen: Aus dem einstigen Abstellraum ist Jahre später ein Wohnraum geworden, der Rückstauschutz ist aber noch derselbe wie früher.
Ablaufstelle unterhalb der Rückstauebene mit Gefälle zum Kanal
An der Bedingung des Gefälles entscheidet sich die Planung meist bereits. Eine Rückstauklappe nützt nur dann etwas, wenn das Abwasser im freien Gefälle zu ihr und von dort weiter zum Kanal fließen kann. Manche Ablaufstellen liegen jedoch so tief, dass ihr Wasser den Kanalanschluss nicht von allein erreicht, etwa eine nachträglich eingebaute Dusche im Tiefkeller oder ein Pumpensumpf unterhalb der Kellersohle. In solchen Fällen bringt keine Klappe Abhilfe, das Wasser muss angehoben werden.
Um dies zu klären, sind Höhenangaben erforderlich: die Lage der Ablaufstelle, die Höhe der Grundleitung unterhalb der Bodenplatte sowie die Sohlhöhe des Kanals oder Hausanschlusses. Bei älteren Häusern fehlen Bestandspläne häufig oder entsprechen nicht mehr der Realität. Eine Kanal-TV-Untersuchung mit Ortung zeigt dann, wo und in welcher Tiefe die Grundleitung tatsächlich verläuft. Dabei wird auch erkennbar, ob Bögen oder Senken den möglichen Einbauort einschränken.
Fäkalienhaltiges Abwasser: ausschließlich Typ 3 mit Kennzeichnung F
Für ein WC unterhalb der Rückstauebene gelten deutlich strengere Vorgaben. Ein Rückstauverschluss ist hier nur dann zulässig, wenn er Typ 3 entspricht und für fäkalienhaltiges Abwasser gekennzeichnet ist, was Sie am Buchstaben F erkennen. Darüber hinaus müssen die zuvor genannten Bedingungen erfüllt sein. Zudem darf nur ein kleiner Benutzerkreis vorhanden sein, und oberhalb der Rückstauebene muss ein WC bereitstehen, das während eines Rückstaus genutzt werden kann. Beim Gäste-WC im Keller eines Einfamilienhauses kann das durchaus zutreffen, bei einer Wohnung im Untergeschoss in aller Regel nicht.
Rückstauverschluss oder Abwasserhebeanlage – was passt?
Rückstauverschluss
- Nur verwendbar, wenn natürliches Gefälle zum Kanal besteht
- Bei Rückstau geschlossen, tiefliegende Abläufe sind dann nicht benutzbar
- Mechanische Typen kommen ohne Strom aus, Typ 3 benötigt einen Stromanschluss
- Lediglich für Räume mit untergeordneter Nutzung gedacht
- Regelmäßige Kontrolle durch den Betreiber sowie Wartung durch Fachkundige
Abwasserhebeanlage mit Rückstauschleife
- Arbeitet auch ohne Gefälle zum Kanal
- Entwässert selbst während eines Rückstaus weiter
- Ist auf Strom angewiesen, bei Stromausfall nur begrenzt nutzbar
- Grundsatzlösung nach DIN 1986-100, verpflichtend bei hochwertig genutzten Räumen
- Wartung in festgelegten Abständen durch Fachkundige, je nach Nutzung
Die Typen nach DIN EN 13564-1 auf einen Blick
Rückstauverschluss ist die übergeordnete Bezeichnung, Rückstauklappe hingegen der umgangssprachliche Name für die verbreitetste Bauform. Die Norm unterscheidet die Typen nach ihrem Aufbau und ihrem Einbauort. Für Sie als Hausbesitzer zählt vor allem, welcher Typ für welche Abwasserart vorgesehen ist.
Rückstauverschlüsse nach DIN EN 13564-1
| Typ | Aufbau | Einsatz nach deutschen Planungsregeln |
|---|---|---|
| Typ 0 | Ein selbsttätiger Verschluss, ohne Notverschluss, für waagerechte Leitungen | Nur in eng begrenzten Fällen, nicht für häusliches Schmutzwasser vorgesehen |
| Typ 1 | Ein selbsttätiger Verschluss und ein Notverschluss (auch kombiniert), für waagerechte Leitungen | Nur in eng begrenzten Fällen, nicht für häusliches Schmutzwasser vorgesehen |
| Typ 2 | Zwei selbsttätige Verschlüsse und ein Notverschluss, für waagerechte Leitungen | Fäkalienfreies Abwasser, z. B. Waschmaschine, Dusche, Waschbecken |
| Typ 3 | Elektrisch betätigter selbsttätiger Verschluss und davon unabhängiger Notverschluss, für waagerechte Leitungen | Fäkalienfreies Abwasser; mit Kennzeichnung F auch fäkalienhaltiges Abwasser unter den genannten Bedingungen |
| Typ 4 und 5 | Rückstauverschlüsse in bzw. für Bodenabläufe, mit selbsttätigem Verschluss und Notverschluss | Fäkalienfreies Abwasser direkt am Bodenablauf |
Vereinfachte Darstellung. Ausschlaggebend sind die Norm, die Angaben des Herstellers und die Vorgaben der örtlichen Abwassersatzung.
Jeder normgerechte Rückstauverschluss ist mit Typ, Normbezug und Nennweite gekennzeichnet, Geräte für fäkalienhaltiges Abwasser tragen zusätzlich das F. Falls bei Ihnen bereits ein Verschluss im Keller sitzt und Sie nicht wissen, um welches Modell es sich handelt, finden Sie diese Angaben meist auf dem Gehäuse oder dem Deckel. Fehlt jegliche Kennzeichnung oder ist das Gerät erkennbar in die Jahre gekommen, sollte ein Fachmann einen Blick darauf werfen. Das gilt ganz besonders dann, wenn mittlerweile ein WC oder ein ausgebauter Raum hinzugekommen ist.
Selbsttätiger Verschluss und Notverschluss
Beim selbsttätigen Verschluss handelt es sich um die eigentliche Klappe: Sie öffnet sich, sobald Abwasser aus dem Haus kommt, und schließt, wenn Wasser aus Richtung Kanal drückt. Der Notverschluss ist dagegen ein zusätzlicher, manuell zu bedienender Verschluss, mit dem sich die Leitung zuverlässig absperren lässt, was etwa dann notwendig wird, wenn ein Fremdkörper die Klappe offen hält. Bei Typ 2 schaffen zwei selbsttätige Klappen Redundanz. Bei Typ 3 erkennt ein Sensor den Rückstau, woraufhin ein Motor den Verschluss schließt. Diese Bauart ist weniger anfällig für Ablagerungen an der Klappe, benötigt dafür aber einen Elektroanschluss.
Zentral in der Grundleitung oder dezentral am einzelnen Ablauf?
Eine zentral in der Grundleitung eingebaute Rückstauklappe sichert sämtliche tiefliegenden Abläufe gemeinsam ab. Allerdings muss dann alles, was oberhalb der Rückstauebene anfällt, an ihr vorbeigeleitet werden, da sich sonst bei geschlossener Klappe das eigene Abwasser aus Bad und Küche im Keller zurückstaut. Fall- und Sammelleitungen aus den oberen Etagen müssen deshalb kanalseitig hinter der Klappe einmünden, und auch Regenwasser von Dachflächen gehört nicht über den Rückstauverschluss. Dezentrale Lösungen sitzen hingegen unmittelbar am jeweiligen Ablauf, etwa als Bodenablauf mit Rückstauverschluss oder als Klappe in der Anschlussleitung der Waschmaschine. Sie beeinträchtigen die übrige Entwässerung nicht, dafür muss jede Ablaufstelle einzeln gesichert werden. Welche Lösung sich anbietet, hängt von der Leitungsführung in Ihrem Haus ab.
Einbaulage: Weshalb die Rückstauklappe nicht senkrecht eingebaut werden darf
Die Frage nach dem senkrechten Einbau stellt sich meist deshalb, weil im Keller lediglich eine Fallleitung frei zugänglich ist, während die Grundleitung unter dem Estrich verschwindet. Die Antwort fällt jedoch eindeutig aus: Rückstauverschlüsse der Typen 0 bis 3 sind nach DIN EN 13564-1 für waagerechte Leitungen vorgesehen. Ihre Mechanik ist genau auf diese Lage abgestimmt und auch nur in dieser Lage geprüft worden.
Das hat mit der Funktionsweise zu tun. Die Klappen sind so gelagert, dass sie im Ruhezustand dicht am Schließpunkt hängen. Abfließendes Wasser drückt sie auf, während Gegendruck aus dem Kanal sie in ihren Sitz presst. Bei einem senkrecht eingebauten Gehäuse wirkt das Eigengewicht der Klappe hingegen in eine andere Richtung. Abhängig von der Bauart bleibt sie dann dauerhaft geöffnet, schließt nicht mehr ganz oder verklemmt sich durch Ablagerungen. Auch Notverschluss und Revisionsdeckel sind für eine bestimmte Einbaulage konstruiert.
Auch aus einem zweiten Grund ist die Fallleitung der falsche Platz
Selbst bei einer geeigneten Bauform bliebe ein Problem bestehen: Durch die Fallleitung fließt das Abwasser der oberen Etagen, also genau das Wasser, das wie im Abschnitt zur zentralen Lösung beschrieben an der Klappe vorbeigeführt werden muss. Eine Klappe in der Fallleitung bietet demnach kaum Schutz und kann den Schaden unter Umständen sogar erst auslösen.
Waagerecht bedeutet: gemäß Herstellervorgabe ausgerichtet
Grundleitungen werden mit Gefälle verlegt und liegen daher nicht exakt in der Waage, und Rückstauklappen sind darauf ausgelegt, im üblichen Leitungsgefälle zu funktionieren. Wie weit die zulässige Neigung genau reicht, entnehmen Sie der Einbauanleitung des Herstellers. Der Pfeil für die Fließrichtung muss zum Kanal weisen, der Revisionsdeckel gehört nach oben und darf nicht um die Längsachse verdreht sein. Schreibt der Hersteller eine gerade Vorlaufstrecke vor, darf die Klappe nicht unmittelbar hinter einem Bogen platziert werden. Sitzt eine bereits vorhandene Klappe erkennbar schief oder verdreht, empfiehlt es sich, die Einbaulage überprüfen zu lassen.
Bodenabläufe: Zulauf von oben, eigenständige Bauart
Bodenabläufe mit Rückstauverschluss stehen dazu nicht im Widerspruch. Zwar fließt das Wasser hier von oben zu, der Verschluss ist jedoch Bestandteil eines Bauteils, das eigens für diese Situation entwickelt und geprüft wurde. Eine Rückstauklappe für Rohrleitungen lässt sich nicht einfach unter einen Bodenablauf montieren, ebenso wenig passt ein Bodenablauf-Einsatz in eine Rohrleitung.
Der Einbau Schritt für Schritt und wo Eigenleistung an ihre Grenzen stößt
Vor dem Einbau: Zustand und Dichtheit der Grundleitung kontrollieren
Die Rückstauklappe schützt ausschließlich den Bereich hinter ihr. Zwischen Klappe und Kanal steht die Grundleitung bei Rückstau unter Druck, schlimmstenfalls bis zur Höhe der Rückstauebene. Ist sie in diesem Abschnitt gerissen, an den Muffen verschoben oder von Wurzeln durchwachsen, presst sich das Kanalwasser durch die Schadstellen ins Erdreich unter und neben dem Haus. Die Folge sind nasse Kellerwände oder Wasser, das durch Fugen in der Bodenplatte nach oben dringt, obwohl die Klappe einwandfrei geschlossen hat.
Vor dem Einbau steht deshalb sinnvollerweise eine Bestandsaufnahme. Die Kanal-TV-Untersuchung macht den inneren Zustand der Leitung sichtbar, also etwa Risse oder Wurzeleinwuchs. Eine Dichtheitsprüfung mit Wasser oder Luft zeigt darüber hinaus, ob die Leitung tatsächlich dicht ist. Ob eine solche Prüfung für private Leitungen verpflichtend ist, regeln in Hessen und Niedersachsen in erster Linie die örtlichen Satzungen. Vor dem Einbau einer Rückstauklappe ist sie in jedem Fall ratsam. Zeigen sich Schäden, lautet die Reihenfolge: zuerst sanieren, danach die Klappe einsetzen.
So verläuft der Einbau einer Rückstauklappe
- Bestand und Rückstauebene ermittelnDie Rückstauebene anhand der Satzung oder beim Abwasserbetrieb in Erfahrung bringen, alle darunterliegenden Ablaufstellen aufnehmen und vermerken, ob fäkalienhaltiges Abwasser anfällt. Leitungsverlauf und Höhen über Plan, Ortung oder Kanal-TV feststellen.
- Typ, Nennweite und Einbauort bestimmenDen Typ passend zur Abwasserart auswählen und die Nennweite auf die vorhandene Leitung abstimmen. Der Einbauort muss den Revisionsdeckel dauerhaft zugänglich halten: offen im Keller, mittels Einbausatz in der Bodenplatte oder in einem Schacht.
- Leitungen von oberhalb der Rückstauebene abtrennenAlle Zuläufe von oberhalb der Rückstauebene wie im Abschnitt zur zentralen Lösung beschrieben hinter der Klappe einmünden lassen.
- Klappe in korrekter Lage einsetzenDas Gehäuse gemäß Herstellerangabe waagerecht ausrichten, Fließrichtungspfeil zum Kanal, Deckel nach oben. Ohne Spannung mit geeigneten Übergängen anschließen. Beim Einbau in die Bodenplatte den Einbausatz dicht mit der Bauwerksabdichtung verbinden.
- Prüfen, einweisen, dokumentierenNeue Leitungsabschnitte auf Dichtheit prüfen und die Funktion der Klappe testen. Den Betreiber in die Bedienung des Notverschlusses und die Sichtkontrolle einweisen sowie Typ, Einbauort und Prüfergebnis schriftlich dokumentieren.
Wo die Eigenleistung aufhört
Eine frei zugängliche Klappe in einer offen verlegten Kellerleitung auszutauschen, ist handwerklich durchaus machbar. Der eigentliche Aufwand steckt jedoch in den vorgelagerten Entscheidungen: Ist ein Rückstauverschluss an dieser Stelle überhaupt zulässig? Welcher Typ ist der richtige? Werden tatsächlich alle Leitungen von oben an der Klappe vorbeigeführt? Fehler in diesem Bereich zeigen sich meist erst beim nächsten Starkregen. In manchen Fällen ist ein Fachbetrieb die sinnvollere Wahl, etwa wenn die Bodenplatte aufgestemmt werden muss, wenn ein WC im Keller angeschlossen ist oder wenn ein elektrischer Typ 3 einen Stromanschluss benötigt, der von einer Elektrofachkraft hergestellt werden sollte. Beim Einbau in die Bodenplatte darf außerdem die Abdichtung gegen Bodenfeuchte oder drückendes Grundwasser keinen Schaden nehmen.
Häufige Einbaufehler
- Leitungen von oberhalb der Rückstauebene laufen über die Klappe statt an ihr vorbei.
- Der Revisionsdeckel wurde überfliest, zugestellt oder ist im Estrich verschwunden, sodass keine Wartung möglich ist.
- Für ein WC im Keller wurde ein Typ ohne F-Kennzeichnung verbaut.
- Die Klappe sitzt entgegen der Fließrichtung, schräg oder senkrecht in der Fallleitung.
- Abläufe an Kellertreppe, Lichtschacht oder Garagenzufahrt wurden bei der Planung nicht berücksichtigt.
Prüfungen nach dem Einbau und Wartung im laufenden Betrieb
Eine Rückstauklappe ist ein mechanisches Bauteil in einer Leitung, durch die alles hindurchfließt, was im Keller in den Abfluss gelangt, also etwa Fasern aus der Waschmaschine oder Fett. Ob sie im Ernstfall zuverlässig schließt, entscheidet sich an zwei Punkten: einerseits bei der Abnahme unmittelbar nach dem Einbau, andererseits bei der regelmäßigen Wartung.
Dichtheitsprüfung der neuen Leitungsabschnitte
Neu verlegte oder angepasste Leitungsabschnitte werden nach DIN EN 1610 auf Dichtheit geprüft, entweder mit Wasser oder mit Luft, und das Ergebnis wird protokolliert. Dieses Protokoll belegt gegenüber Abwasserbetrieb und Versicherung, dass die Anlage dicht übergeben wurde. Besonders bedeutsam ist das bei Arbeiten an der Grundleitung unter der Bodenplatte, denn spätere Undichtigkeiten lassen sich dort nur mit erheblichem Aufwand beheben.
Funktionsprüfung der Rückstauklappe
Im Rahmen der Funktionsprüfung wird kontrolliert, ob die Klappe in beide Richtungen ordnungsgemäß arbeitet. Übliche Prüfpunkte sind dabei:
- Abwasser aus dem Haus fließt ungehindert ab, die Klappe öffnet sich leichtgängig.
- Bei Gegendruck aus Richtung Kanal schließt die Klappe vollständig und dicht ab.
- Der Notverschluss lässt sich schließen und wieder öffnen und dichtet zuverlässig ab.
- Der Revisionsdeckel schließt dicht, die Dichtung ist intakt und richtig eingesetzt.
- Bei Typ 3 sprechen Sensor, Steuerung und Alarm an, und eine etwaige Notstromversorgung funktioniert.
Wartung nach DIN 1986-3
Gemäß DIN 1986-3 soll der Betreiber, in der Regel also der Hauseigentümer, den Rückstauverschluss regelmäßig selbst kontrollieren. Üblich ist eine monatliche Sichtprüfung, bei der auch der Notverschluss betätigt wird. Etwa halbjährlich ist zusätzlich eine Wartung durch einen Fachkundigen vorgesehen: Dabei wird der Verschluss geöffnet und gereinigt, Klappen und Dichtungen werden überprüft und bei Bedarf ersetzt, bei elektrischen Modellen gehören auch Steuerung und Akku dazu. Heben Sie das Wartungsprotokoll gut auf, denn nach einem Schaden kann es als Nachweis verlangt werden.
Wenn Sie vor einer Unwetterwarnung oder einem längeren Urlaub den Notverschluss schließen, sollten Sie darauf achten, was im Keller noch in Betrieb ist. Pumpt eine Waschmaschine bei geschlossenem Notverschluss ab, steht der Keller ebenso unter Wasser wie bei einem Rückstau aus dem Kanal. Nach dem Ereignis muss der Notverschluss außerdem wieder geöffnet werden, denn ein vergessener, dauerhaft geschlossener Notverschluss lässt Bodenabläufe überlaufen, obwohl draußen längst kein Rückstau mehr besteht.






